Wii-Whiteboard
Geschrieben von André Mersch am 6. Februar 2008
Die letzten Tage des Jahres boten Gelegenheit zum Durchatmen und zur Beschäftigung mit Dingen, für die sonst keine Zeit reserviert ist, wie das Ausprobieren der Weihnachtsgeschenke. Dazu gehörte im Freundeskreis eine Wii, die Spielekonsole von Nintendo, die auf ein völlig neues Eingabeprinzip setzt, nach dem Motto, wenn die Jugend schon ihre Zeit vor Computer und Konsole verbringt, dann soll sie sich dabei wenigstens bewegen.
Das macht auch eine Menge Spaß, doch wenn ein Erziehungswissenschaftler, der sich mit der Umsetzung von E-Learning und Web 2.0-Technologien an der Hochschule beschäftigt (ich) und ein Softwareentwickelr (Grüße an Jan, den Wii-Besitzer) davor sitzen, können dabei auch ganz andere Dinge herauskommen. Johnny Lee, ein amerikanischer Mensch-Maschine-Interaktionsforscher hat die Wii Fernbedinung (Wii-Remote, kurz Wiimote) benutzt, um sie als Eingabegerät für einen kostengünstigen “Touchscreen” einzusetzen, was er in dem Video eindrucksvoll präsentiert.
[youtube 5s5EvhHy7eQ]
Da ich einige Zeit zuvor eine Einführung zur Benutzung der Smartboards an unserer Universität erhalten und mich schon damals gefragt habe, wie sich das Prinzip mobil umsetzen lässt, sah ich hier eine kostengünstige Lösung und – es hat geklappt.
Was dafür nötig ist:
Hardware:
- Notebook
- Beamer
- Wiimote
- Infrarotsender mit Taster
Notebook und Beamer sollten vorhanden sein, eine Wiimote gibt es für 39,99€ im Einzelhandel. Der komplizierte Teil dieser Liste ist der Infrarotsender, den ich nicht als fertiges Produkt auftreiben konnte. Also auf zum Elektronikfachhändler. Nach hervorragender Beratung habe ich mit folgenden Einzelteilen das Geschäft verlassen:
- Paltinenmaterial
- Infrarotdioden (besser zwei, falls es Ausschuss gibt)
- LED-Leuchte für den Schlüsselanhänger
- Widerstand (auch besser zwei) zur Anpassung des Stroms an den Bedarf der Infrarotdiode (1,5 Volt, Widerstand je nach Versorgung der Lampe ausrechnen lassen)
Dann ging es ans Basteln.Für den Widerstand:
- Aus dem Platinenmaterial zwei Plättchen im Durchmesser einer Knopfbatterie feilen
- Mit 3mm Bohrer, oder einem kleinen Nagel, mit je einem Loch versehen
- Die Kontaktdrähte des Widerstandes durch die Löcher führen und verlöten
- Darauf achten, dass dieses Sandwich nicht höher als eine Knopfbatterie wird
- Zur Stabilisierung den Zwischenraum mit dem Widerstand mit Heißkleber ausfüllen
- Das Plättchen wird später anstelle einer der bei diesem Lampenmodell drei Knopfbatterien in das Batteriefach gelegt.
Für die Lampe:
- Eingebaute LED entfernen – vorsicht, vom Kontakt der zum Taster führt ein Stück stehen lassen
- Die Infrarotdiode einsetzen und mit dem Kontakt verlöten
Software:
- .NET Framework 2.0 von Microsoft
- Software zum Test des Infrarottasters
- Kalibrierungssoftware von Johnny Lee
Nachdem die Hardrware- und Softwarevoraussetzungen geschaffen sind, geht es jetzt darum, die Wiimote mit dem eigenen Rechner zu verbinden:
- Bluetooth-Software starten
- 1 und 2 Knopf der Wiimote gedrückt halten, jetzt sollten die blauen Lichter unten an der Fernbedienung blinken.
- Diese Knöpfe nicht loslassen, bis der Vorgang abgeschlossen ist (deshalb zwei Finger einer Hand benutzen, die andere wird noch gebraucht).
- Die Wiimote sollte jetzt unter dem Namen “Nintendo RVL-CNT-01″ in der Liste der Bluetooth-Geräte auftauchen.
- “Weiter” klicken. Wenn hier die Frage nach einer PIN erscheint, diesen Punkt überspringen, keine Zahlen eingeben.
- Evtl. fragt die Installatiosroutine nach der Verwendung der Wiimote. “Keyboard/Mouse/HID Service” auswählen.
- Routine beenden.
Jetzt muss die Wiimote noch kalibriert werden:
- Wiimote so ausrichten, dass sie mit ihrem Sensorwinkel von 45 Grad den gesamten Bildschirm erfassen kann.
- IR-Testsoftware starten und die Infrarotlampe betätigen um zu sehen, ob ein Signal gesendet wird.
- Kalibrierungssoftware starten und mit der IR-Lampee einmal auf die vier in den Ecken des Bildschirms erscheinenden Kreuze klicken.
Fertig!
Die Wiimote kann jetzt als Eingabegerät für den Rechner benutzt werden.
Um die Beamerprojektion als elektronische Tafel zu benutzen braucht es noch eine Whiteboard-Software (ist auf der Seite unter “Open-Source-Produkte” zu finden).
8 Kommentare »
am 7. Februar 2008 um 11:02 1.Erik Senst schrieb …
Genial, die Idee gefällt! Ich bin fast versucht mich sofort selbst in den Nachbau zu stürzen. Die Idee sollte man schon aus Kostengründen ernst nehmen und auch Einsatzpotentiale im Bereich der Hochschule prüfen. Vielleicht mal mit dem SCM Kontakt aufnehmen. Einziger Nachteil ist im Prinzip nur, dass der Finger selbst nicht funktioniert, sondern nur der Umweg über den Pen. Aber dafür ist das ganze scheinbar sogar Multitouchfähig. Wann bekomme ich eine Live-Vorführung?
Viele Grüße
am 21. Mai 2008 um 07:38 2.Karl Höbelmann schrieb …
Hallo, wir haben ebenfalls an unserer Schule, HRS Ritterhude, zwei richtige Smartboards und probieren gerade mit WIIMote, Beamer und selbstgebautem Infrarotstift herum. Leider kommen wir nicht so recht weiter. Wie es scheint, liegt das an unserem Infrarotstift. Gibt es irgendwo eine genaue Bauanleitung mit einer ausführlichen Materialliste und evtl. einem Schaltplan.
Wir sind soweit gekommen, das der Stift auf 50 – 80 cm Entfernung zur WIIMote funktioniert. Das ist aber wohl nicht Sinn der Sache, oder?
Karl Höbelmann
am 10. September 2008 um 16:25 3.Nam schrieb …
Hi
ich bin schüler an einer naturwissenschaftlichen Schule und möchte auch gerne die Wiioards einführen.
Um das aber vor der Schulleitung rechtfertigen zu können, muss ich das ja möglichst beeindruckend aber auch nützlich vorstellen. Bisher hab ich nur anwendungegebiet in Geographie mit Google Earth und Chemie mit 3D Viwern.
Habt ihr noch ein paar Ideen, software tips?
Nam
am 10. September 2008 um 16:26 4.Nam schrieb …
was ich vergessen hatte:
wie schlägt sich das in der Praxis?
am 17. Oktober 2008 um 00:35 5.Interactive Whiteboard – Wii Projekte schrieb …
[...] Sonstiges zum Interactive Whiteboard [1] Dokumentation der gesamten umsetzung des Whiteboards [2] Gesamte Dokumentation der Erstellung eines interaktiven Whiteboards für Linux Systeme:[3] [...]
am 22. Oktober 2009 um 15:26 6.Stefanie schrieb …
Probieren Sie Smoothboard Software, die die neuesten autoconnect Modus mit MS Bluetooth Stack hat.
am 25. November 2009 um 19:41 7.Cosmolion schrieb …
Gibts die Smoothboard Software auch als Kostenlose Software? Gibt da noch ne andere Alternative? Die Johnny Lee Software läuft bei mir irgendwie nicht
gruß
am 30. Januar 2010 um 17:17 8.Georg Decknatel schrieb …
Hallo,
ich habe mir das ganze Zubehör besorgt und der IR-Pen
funfktioniert. Aber alle Versuche mit PC und Laptop,
Win2000 und WinXP enden bei der Kalibrierung mit der
Meldung WiiRemote not supported on winsocks.
Welche Möglichkeiten gibt es da noch?
Georg