Die letzten Tage des Jahres boten Gelegenheit zum Durchatmen und zur Beschäftigung mit Dingen, für die sonst keine Zeit reserviert ist, wie das Ausprobieren der Weihnachtsgeschenke. Dazu gehörte im Freundeskreis eine Wii, die Spielekonsole von Nintendo, die auf ein völlig neues Eingabeprinzip setzt, nach dem Motto, wenn die Jugend schon ihre Zeit vor Computer und Konsole verbringt, dann soll sie sich dabei wenigstens bewegen.

Das macht auch eine Menge Spaß, doch wenn ein Erziehungswissenschaftler, der sich mit der Umsetzung von E-Learning und Web 2.0-Technologien an der Hochschule beschäftigt (ich) und ein Softwareentwickelr (Grüße an Jan, den Wii-Besitzer) davor sitzen, können dabei auch ganz andere Dinge herauskommen. Johnny Lee, ein amerikanischer Mensch-Maschine-Interaktionsforscher hat die Wii Fernbedinung (Wii-Remote, kurz Wiimote) benutzt, um sie als Eingabegerät für einen kostengünstigen „Touchscreen“ einzusetzen, was er in dem Video eindrucksvoll präsentiert.

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Da ich einige Zeit zuvor eine Einführung zur Benutzung der Smartboards an unserer Universität erhalten und mich schon damals gefragt habe, wie sich das Prinzip mobil umsetzen lässt, sah ich hier eine kostengünstige Lösung und – es hat geklappt.

Was dafür nötig ist:

Hardware:

  • Notebook
  • Beamer
  • Wiimote
  • Infrarotsender mit Taster

Notebook und Beamer sollten vorhanden sein, eine Wiimote gibt es für 39,99€ im Einzelhandel. Der komplizierte Teil dieser Liste ist der Infrarotsender, den ich nicht als fertiges Produkt auftreiben konnte. Also auf zum Elektronikfachhändler. Nach hervorragender Beratung habe ich mit folgenden Einzelteilen das Geschäft verlassen:

  • Paltinenmaterial
  • Infrarotdioden (besser zwei, falls es Ausschuss gibt)
  • LED-Leuchte für den Schlüsselanhänger
  • Widerstand (auch besser zwei) zur Anpassung des Stroms an den Bedarf der Infrarotdiode (1,5 Volt, Widerstand je nach Versorgung der Lampe ausrechnen lassen)

Dann ging es ans Basteln.Für den Widerstand:

  • Aus dem Platinenmaterial zwei Plättchen im Durchmesser einer Knopfbatterie feilen
  • Mit 3mm Bohrer, oder einem kleinen Nagel, mit je einem Loch versehen
  • Die Kontaktdrähte des Widerstandes durch die Löcher führen und verlöten
  • Darauf achten, dass dieses Sandwich nicht höher als eine Knopfbatterie wird
  • Zur Stabilisierung den Zwischenraum mit dem Widerstand mit Heißkleber ausfüllen
  • Das Plättchen wird später anstelle einer der bei diesem Lampenmodell drei Knopfbatterien in das Batteriefach gelegt.

Für die Lampe:

  • Eingebaute LED entfernen – vorsicht, vom Kontakt der zum Taster führt ein Stück stehen lassen
  • Die Infrarotdiode einsetzen und mit dem Kontakt verlöten

Software:

Nachdem die Hardrware- und Softwarevoraussetzungen geschaffen sind, geht es jetzt darum, die Wiimote mit dem eigenen Rechner zu verbinden:

  • Bluetooth-Software starten
  • 1 und 2 Knopf der Wiimote gedrückt halten, jetzt sollten die blauen Lichter unten an der Fernbedienung blinken.
  • Diese Knöpfe nicht loslassen, bis der Vorgang abgeschlossen ist (deshalb zwei Finger einer Hand benutzen, die andere wird noch gebraucht).
  • Die Wiimote sollte jetzt unter dem Namen „Nintendo RVL-CNT-01“ in der Liste der Bluetooth-Geräte auftauchen.
  • „Weiter“ klicken. Wenn hier die Frage nach einer PIN erscheint, diesen Punkt überspringen, keine Zahlen eingeben.
  • Evtl. fragt die Installatiosroutine nach der Verwendung der Wiimote. „Keyboard/Mouse/HID Service“ auswählen.
  • Routine beenden.

Jetzt muss die Wiimote noch kalibriert werden:

  • Wiimote so ausrichten, dass sie mit ihrem Sensorwinkel von 45 Grad den gesamten Bildschirm erfassen kann.
  • IR-Testsoftware starten und die Infrarotlampe betätigen um zu sehen, ob ein Signal gesendet wird.
  • Kalibrierungssoftware starten und mit der IR-Lampee einmal auf die vier in den Ecken des Bildschirms erscheinenden Kreuze klicken.

Fertig!

Die Wiimote kann jetzt als Eingabegerät für den Rechner benutzt werden.

Um die Beamerprojektion als elektronische Tafel zu benutzen braucht es noch eine Whiteboard-Software (ist auf der Seite unter „Open-Source-Produkte“ zu finden).