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Am Anfang von Second Life gab es lediglich den Chat als Kommunikationsmit­tel. Durch diese begrenzte Möglichkeit gestaltete sich der Einsatz von Second Life als Massenmedium oder für längere Veranstaltungen in Beruf und Lehre sehr schwierig. Im Chat war es sehr anstrengend größere Mengen an Inhalt zu präsentie­ren – und natürlich auch für die Zuschauer zu rezipieren. Glücklicherweise wurde schon vor fast zwei Jahren der Voice-Chat nach Second Life gebracht und somit die Möglichkeit zur synchronen Kommunikation über Sprache eingeführt. Dadurch wur­de es möglich Avatare im virtuellen Raum noch viel direkter ins Geschehen einzu­binden und auch klassische Lernsituationen nach Second Life zu übersetzen. Doch mit den Möglichkeiten stiegen und steigen auch die Wünsche und Anforderungen an das Medium: Durch die einfache Bedienbarkeit, das gemeinsame Raumempfin­den und die direkte Kommunikation auch über reale Ländergrenzen hinweg, rückte Second Life als Werkzeug für professionelle Kommunikationssettings immer mehr in den Vordergrund. Währe es möglich ein internationales Firmenmeeting zu reali­sieren? Oder ein Treffen von Projektpartnern? Oder eine virtuelle Coaching-Sit­zung? Diese Wünsche bringen auch Anforderungen an Datenschutz und private Kommunikation mit sich. Doch kann Second Life diese Anforderungen erfüllen?

Durch die Nutzung von Second Life als Kommunikationswerkzeug erweitert sich das Anwendungsfeld für die professionelle Nutzung ernorm. Die Nutzer sind nicht mehr gezwungen mit „Patchwork“- E-Learning Lösungen zu arbeiten. In den Anfän­gen von Second Life herrschte eine Situation vor, wie man sie auch heute noch in den meisten gängigen und anerkannten E-Learning-Plattformen vor­findet: Synchrone Kommunikation findet nur außerhalb der Plattform statt, oder über wenig direkte und zeitgemäße Wege, wie dem Chat. Somit eröffnete Second Life eine Möglichkeit die Immersion in die virtuelle Welt und die dort stattfinden­den Prozesse, enorm zu steigern. Auf der anderen Seite stehen die rechtlichen Aspekte, so wie die Schaffung von privaten Settings, die auch heute noch oftmals eine schwierige Aufgabe darstellen. Durch die Zwangslizensierung in den AGBs von Second Life ist es für alle Nutzer ohne Probleme möglich, die verwendeten Medien weiter zu nutzen und zu kopieren. Dazu gehören natürlich auch verwendete Texte, Charts und Grafiken. Auf der einen Seite ist diese Lizenz für die Betreiber notwendig, da sonst in Second Life nur wenige Objekte frei dargestellt werden würden, oder es einen gewaltigen Aufwand für das Rechtemanagement geben würde. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich auch immer die Frage „Wer hört mir gerade zu?“ zu oder „Wer nutzt meine Daten weiter“? Dies hat einen starken Einfluss auf die Nutzung von Second Life im professionellen Umfeld, wenn es darum geht, Projekt-Treffen oder Firmenmeetings abzuhalten, bei denen vertrauliche Daten präsentiert werden.

Auf der anderen Seite sind die kommunikativen Fähigkeiten, das Eintauchen in das virtuelle Medium und gemeinsame Raumerleben ein überragender Vorteil von Second Life gegenüber den meisten anderen verbreiteten E-Learning Plattformen. Dieses Eintauchen, dieses „dabei sein“, hat einen großen Einfluss auf die Teilnehmer in Second Life. Gerade, wenn es darum geht, schwierige und emotionale Themen über ein digitales Medium abzuwickeln, kann die Identifikation mit dem Avatar und die Eingebundenheit in die virtuelle Welt helfen, den Einstieg zu erleichtern und Nutzungshemmungen abzubauen.

Gibt es einen guten Mittelweg zwischen Nutzungsmöglichkeiten und technischen Einschränkungen? Mit steigender Anzahl von Besprechungen und Events, die ich in Second Life mit veranstalte, versuche ich diese Fragen ein wenig zu beleuchten. Die Frage der Lizenzierung von eingebrachten Medien in Se­cond Life ist eine spannende juristische Frage, bei der es in der Regel um Einzelfälle geht. Zusammenfassend lässt sich aber sagen, das nach Second Life, eine öffentliche Plattform, die von einer kommerziell ausgerichteten Firma betrieben wird, nichts hinein gehört, was nicht sowieso zur Veröffentlichung bestimmt ist, bzw. nur Dinge, die auch ohne Probleme auf einer öffentlichen Website erscheinen könnten. Wer sich an diese Faustregel hält, kann eigentlich nur noch wenig falsch machen.

Zu diesem Medientyp kommt noch die nicht so persistente Möglichkeit der Sprachkommunikation. Wie kann ich eine vertrauensvolle Situation bei einer Beratung schaffen, wenn ich mir nicht sicher sein kann, dass mir jemand zuhört? Grundsätzlich kann ich nur daran erinnern, dass es in Second Life pauschal keinen privaten Raum gibt. Es gibt aber Möglichkeiten das Maß an Vertraulichkeit zu erhöhen, die ich gleich beschreiben möchte. Vorher möchte ich aber noch einmal die technischen Voraussetzungen von Sprachkommunikation in Second Life erläutern.
Second Life bietet über seinen Voice-Chat eine Möglichkeit der „Raumkommuni­kation“. Dies bedeutet, das anders als bei einem Telefongespräch nicht die vom Sprecher gewählten Personen die Empfänger der Kommunikation sind sondern, dass wie im normalen Gespräch, die im Raum anwesenden Personen entscheidend sind. Dies entspricht einen normalen Raum, bei dem mich jeder hören kann, der in meiner Nähe ist. Dabei ist die Entfernung entscheidend für die Lautstärke. Second Life versucht dieses Raumgefühl nach zu empfinden. Doch dort liegt auch die Ge­fahr. Nutzer übertragen nur zu gerne die Erfahrungen der stofflichen Welt nach Second Life. Im realen Leben kann man in der Regel davon ausgehen, dass ein geschlossener Raum einen gewissen Grad an Privatheit bietet und die Gespräche außerhalb dieses Raumes nicht wahrgenommen werden. Ebenso geht man davon aus, dass eine Person die sich nicht im Raum befindet und auch noch 200 Meter entfernt ist, die Inhalte des Gespräches nicht belauschen kann. Diese Schlüsse sind in Second Life nicht zulässig. Mauern und Gegenstände stellen in Second Life kein Hindernis für Kommunikation dar. Ebenso ist es mit nur einem Klick möglich, die Geräusche der Umgebung nicht mehr von der Position des Avatars, sondern von der Position der Kamera zu empfangen – und diese kann sich unbemerkt an viele, auch entfernte Orte bewegen. Bei der öffentlichen Kommunikation sollte man sich diesen Möglichkeiten bewusst sein.

Es gibt aber wie bereits angedeutet mehrere Möglichkeiten um dieses Maß an Privatheit deutlich zu steigern:

  • Sprachkommunikation getrennt von SL
    Diese Kommunikation hat den großen Vorteil das sie sehr skalierbar und im Blick auf die Privatheit von Second Life getrennt ist. Diese externen Kommunikationsmittel sind unabhängig von der räumlichen Situation in Second Life. Virtuelle Entfernungen und Standorte in SL spielen dabei keine Rolle. An dieser Kommunikation kann nur teilnehmen, wer dazu eingeladen wird. Doch an dieser Stelle liegt aus meiner Sicht die größte Schwachstelle dieser Konstellation. Die Teilnehmer benötigen neben Second Life noch eine weitere Software. Damit geht ebenfalls ein Teil des gemeinsamen Raumgefühls verloren. Beim Einsatz einer solchen Zweiwegelösung sollte ich genau abwägen, ob die Vorteile der externen Sprachlösung die Vorteile eines gemeinsamen Raumempfindens aufwiegen.
  • Private Gespräche in SL – private Calls
    Second Life bietet mit seinem Voice-Client auch die Möglichkeit zu privaten Gesprächen. Über diese Funktion können Gruppen und Einzelpersonen miteinander ungestört kommunizieren. Bei einem Zweiergespräch funktioniert dies wie bei einer VoIP-Telefonlösung. Die beiden Teilnehmer werden in einen extra für sie temporär geschaffenen Voice-Kanal gelegt in dem sie sich unabhängig vom Aufenthaltsort in Second Life unterhalten können. Das Gespräch dringt nicht in die virtuelle Welt. Die gleiche Funktion gibt es auch für Gruppen. Bei diesen „group calls“ werden alle Mitglieder einer Gruppe in einen eigenen Sprachkanal gelegt. Dabei gibt es keine weitere Differenzierung zwischen den Gruppenmitgliedern. Diese Variante eignet sich hervorragend für die Nutzung zwischen zwei einzelnen Avataren. Bei der Nutzung mit Gruppen erreicht es schnell seine Grenzen und benötigt gerade bei größeren Gruppen einen gewissen organisatorischen Aufwand, da Teilnehmer nicht später zu diesen Calls hinzugeholt werden können – sei es nach technischen Schwierigkeiten oder durch Verspätung.
  • Ortsbezogenen Zugangsbeschränkungen mit SL-Voice
    Doch auch mit SL-Voice lässt sich ein ansprechendes Maß an privater Kommunikation erreichen. Dabei spielt die organisatorische Landaufteilung in Second Life eine entscheiden Rolle. Jede Insel in Second Life kann von seinem Besitzer oder Untermieter in noch kleinere logische Parzellen aufgeteilt werden. Diese „parcels“ könne jeweils seperate Einstellunge enthalten. Damit ist es möglich auf einzelnen Teilen des Landes unterscheidliche Videos abzuspielen, den Zugang unterschiedlich zu beschränken oder Nutzergruppen als Untermieter festzulegen. Diese Einstellungen kann man in Kombination auch für die Einrichtung von privaten Parzellen nutzen.  Im Reiter “Media” unter “About Land” können die Medieneinstellungen für die einzelnen Parzellen bearbeiten werden. Hier ist auch die Einstellungsmöglichkeit für den Voice-Chat zu finden. Schaltet man hier die Option “Use a private spatial channel” ein, aktiviert man einen eigenen Voice-Kanal für die angegebene Parzelle. Dieser Kanal ist unabhängig von Voice-Chat der gesamten Insel. Sprache kann somit die Grenzen dieser Parzelle nicht überschreiten. Durch die Möglichkeit eine Parzelle nur für bestimmte Nutzergruppen zugänglich zu machen lässt sich hier eine brauchbare Kombination erschaffen. Wenn zum Beispiel die Parzelle genauso groß wie das darauf stehende Gebäude gewählt wird, ist das Gebäude eine eigene kleine Gesprächszone. Der Zugang zu dieser Zone ist (temporär) einschränkbar. Sollte ein Avatar versuchen mit der Kamera dieses Gebiet zu belauschen, wird auch dieses scheitern. Zwar ist es möglich sich die Geräusche von der Position der Kamera abspielen zu lassen, doch setzt dies voraus, dass der Avatar sich auch auf derselben Parzelle wie die Kamera befindet. Dies wird aber über die Zugangsbeschränkung der Parzelle ausgeschlossen. Diese Form der Privatheit sollte bereits bei der Planung der eigenen Repräsentanz mit bedacht werden.

Aufgrund der verschiedenen Erfahrungen im Projekt „E-Learning 3D“ haben wir uns auf unserer Repräsentanz zu unterschiedlichen, der jeweiligen Situation angemessenen, Konzepten entschlossen. Dabei sind die von uns angelegten Lernräume, alle über eine eigne Parzelle mit separatem  Voice-Kanal, zu kleinen “GesprächsBlasen” geworden. Der Zugang für Avatare ist dabei je nach Setting beschränkt. Unsere öffentlichen Bereiche, wie Cafeteria und Auditorium sind selbstverständlich frei zugänglich. Die für Seminare reservierten Skyboxen liegen an schlecht zugänglichen Orten, können aber von den Teilnehmen­den per Teleport problemlos betreten werden. Für private Kommunikation haben wir einen eigenen Konferenzraum eingerichtet, der zugangsbeschränkt ist und nur auf Einladung betreten werden kann.

Bei der Planung von Repräsentanzen hat die Berücksichtigung von Kommunika­tion und Zugangsbeschränkungen aus meiner Sicht einen hohen Stellenwert. Gerade aus Gründen des Datenschutzes und des Urheberrechtes sind abgetrennte Bereiche nicht zu vermeiden, sollten aber aus meiner Sicht so klein und zeitlich begrenzt wie möglich gehalten werden, um das Bild von SL nicht nachhaltig zu prägen.