Twitteriki – Microblogging im Hochschulkontext
am Beispiel von „Twitter“

Mikroblogging bezeichnet eine spezielle Variante des Bloggens, gepaart mit Instant Messaging Ambitionen. Die Benutzer haben lediglich 140 Zeichen zur Verfügung um einen Blogpost abzusetzen und zu veröffentlichen. Eine der bekanntesten Microblogging Dienste ist „Twitter“. Aber auch andere Anbieter haben den rasch wachsenden Markt – zur Veröffentlichung von Texten in Sprechblasenlänge – für sich erkannt (z.B. Jaiku, Plitter, Frazr, Dukudu, Wamadu oder niimo). Eine prominente Position erreichte das Microbloggingtool Twitter im US-Wahlkampf von Barack Obama. Auch hierzulande twittern einige wenige Politiker, jedoch eher mit mäßigem Erfolg.

Um dem aufmerksamen Leser das Verständnis von Microblogging näher zu bringen könnte der Schreiber – also ich – viele Worte verlieren. Anstelle desssen soll hier SIXTUS vom „Elektrischen Reporter“ mit dem Beitrag „Microblogging – Leben in 140 Zeichen“ für ca. 10 Minuten das Wort (und Bild) erteilt werden:

Aber auch einige Hochschul- und Weiterbildungsnerds und -geeks haben Twitter für sich entdeckt. Eine relativ aktuelle Liste zu twitternden Bildungsinteressierten, und der Lehre nahestehenden Personen gibt es  hier: Weltweit oder lokal auf Deutschland begrenzt.

Spezifische, schriftlich fixierte, (ambi)didaktische Szenarien zum Twitter-Lehreinsatz sind derzeit jedoch fast nicht gegeben und wurden bislang auch kaum untersucht.

Eine erste twitterbezogene Evaluierung für Deutschland nahm KERRES, im Februar/März diesen Jahres, mit einer Online-Umfrage vor, dessen Ergebnisse nun vorliegen. (siehe: http://mediendidaktik.uni-duisburg-essen.de/node/4977)

Fakt ist, dass Twitter für den Lehr/Lerneinsatz genutzt werden kann. So kann die serverbasierte Software beispielsweise als als 24h/7d Sprechstunde verwendet, oder generell als Plattform  zur effizienten Vernetzung mit Profis zum eigenen Thema genutzt werden. Aber auch Gruppenarbeiten (mittels Twitterkanal auf den nur bestimmte Gruppenmitglieder Zugriff haben) lassen sich kommunikativ effektivieren. (Siehe z.B. GroupTweet.)

Der letztendliche Einsatz, sowie das „Wie“ und „Warum“ wäre allerdings noch weiter zu erforschen/hinterfragen. Um diese Erwägung zu erleichtern sollen nachfolgend typische Negativ- und Positivaspekte des Mocroblogging benannt werden.

Negativ
Erhaltene Informationen sind flüchtig bzw. häufig nicht leicht wieder auffindbar. Ein Übertragen relevanter Infos in einen andere Softwarecontainer kann sinnvoll sein.

  • Die empfangenen Infos sind verrauscht. D.h. ich erhalte für die eigene Weiterbildung nicht nur brauchbare Informationen, sondern auch Hinweise die mich gar nicht interessieren. Zum persönlichen Filtern ist ein Überfliegen aller Nachricht erforderlich.
  • Microbloggingdienste können beim Nutzer einen hohen Informationsdruck auslösen. Twitter lebt und sendet ständig. Folge ich hier vielen postenden Menschen, kann einen ohne erprobte Kommunikationsstrategie die Menge an Daten/Infos, aber auch der eigene Druck evtl. etwas zu verpassen, schnell überfordern.  (vgl. http://www.manager-magazin.de/harvard/0,2828,581392,00.html)
  • Auf 140 zeichen ist eine Abstufung in der Wichtigkeit des Kommunizierten kaum möglich. Alles Gesendete bzw. Erhaltene obliegt im ersten Augenblick der gleichen Priorität.
  • Es gibt keinen Verlass darauf, dass das Gesendete von anderen gelesen wird. Zu schnell folgen weitere neue Informationen anderer.
  • Die Begrenzung der Textlänge kann zu schlechter Grammatik führen.
  • Jede abgesetzte Nachricht Inhalt ist googlebar und wird gespeichert. Es empfiehlt sich also nur das zu posten, was für die Öffentlichkeit bestimmt ist.
  • Der größte Vorteil der Microbloggingdienste kann auch auch gleichzeitig ein großer Nachteil sein – die Schnelligkeit. So ist es möglich, dass sich auch Falschnachrichten rasend schnell im Internt verbreiten und festsetzen.

Positiv

  • Es kommen oft unvorhersehbare thematische Anregungen, die mitunter sehr hilfreich sind.
  • Twitter hat eine große Community. Bei eigenformulierten Anfragen greift das „Wissen der Vielen“.
  • Die Verwendung von Microbloggingdiensten schafft (digitale) soziale Nähe zu bekannten und unbekannten Followern und schafft somit u.a. schon eine gute Grundlage für face-to-face Situationen.
  • Förderung literaischer Fähigkeiten durch erzwungene Verkürzung der Aussage.
  • Es können unterwegs (weltweite) Nachrichten – via Handy – 1:n versendet werden.
  • Es sind sehr schnelle Veröffentlichungen oder Updates vorheriger Nachrichten möglich.
  • Twitter fördert das Teilen und Diskutieren und damit die Eigeninitiative im Umgang mit Information und Kommunikation.
  • Mit jeder Nachricht werden kleine kompakte und in sich geschlossene Wissenseinheiten (chunks of information, vgl. auch www.e-chunk.de) übermittelt.
  • Twitterer sind menschliche Filter. Durch die Auswahl, der Personen denen ich folge kann ich thematische Eingrenzungen schaffen.
  • Schnelles Antworten auf vorherige Beiträge möglich.
  • Twitter kann bspw. als Reminder eingesetzt werden und somit an wichtige Termine erinnern. (d timer 35 wichtiges meeting)
  • Mit Twitter ist eine thematische Stichwortsuche innerhalb der Twitterstreams möglich. Zudem kann bspw. mit der Drittanbieterapplikation „twe2“ (www.twe2.com) eine Alarmfunktion zu eingestellten Stichwörtern initialisiert werden.
  • Die Funktion des Retweet ermöglicht das schnelle Verbreiten einer Nachricht an viele über weitere Nutzer. (Funkltionsweise ähnlich der Zitation)
  • Multiple Plattform fähig. Twitter hat seine Schnittstellen offengelegt und schafft somit Platz für Idden von Drittanbietern in der Nutzung des Dienstes. (2)
  • Eigene Twitterstreams sind sehr leicht z.B. in die eigene Website, oder den eignen Blog intergrierbar.

Fazit
Letztlich verbessert (wie bei allen anderen Web 2.0 Diensten) nicht die Software allein das Lehr-/Lernverhalten. Auch hier ist es wesentlich wichtiger sinnvolle Einsatzszenarien zu generieren, bei denen Twitter letztlich als Mittel zum Zweck seinen Einsatz findet. Und Szenarien des Einsatzes, sind aufgrund der offenen Struktur, viele denkbar.

Links

Twitternde Hochschulen

Quellen

  1. KERRES 2009: http://mediendidaktik.uni-duisburg-essen.de/survey/index.php?sid=67388&lang=de [Stand: 01.05.2009]
  2. Zwitscherliste – Über 100 Twitter Tipps und Tools: http://karrierebibel.de/zwitscherliste-%E2%80%93-uber-100-twitter-tipps-und-tools/? [Stand: 06.05.2009]