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In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass einzelne Lernumgebungen alleine oftmals Schwächen offenbaren. Wo Lernmanagementsysteme wie moodle Defizite bei der Kommunikation offenbaren und oftmals nicht ohne zusätzliche Applikationen auskommen, zeigen dreidimensionale Umgebungen oftmals Lücken bei der Dokumentenverwaltung und der Bereitstellung von Ressourcen.

Ein Ansatz um die Stärken beider Welten auszunutzen und die Nachteile aufzuwiegen ist Sloodle. Dabei handelt es sich um eine Schnittstelle zwischen moodle und Second Life. Diese Schnittstelle benötigt in beiden Welten einen Anker, um richtig funktionieren zu können. Auf der Seite von moodle ist es notwendig, ein neues Modul in eine laufende Plattform zu integrieren. Dies funktioniert dabei genau wie der Einbau jedes anderen Moduls für diese Lernplattform und ist in der Regel in wenigen Minuten abgeschlossen. In der dreidimensionalen Welt von Second Life ist es lediglich notwendig, dass der Trainer sich ein kostenloses Sloodle-Set besorgt, um die Verbindung herzustellen.

Ich möchte heute beschreiben, welche Werkzeuge durch den Einsatz von Sloodle zur Verfügung gestellt werden und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Diese Tools haben alle eine dreidimensionale Form in Second Life und können vom Trainer erzeugt werden, sodass die Avatare die unmittelbare Möglichkeit haben mit ihnen zu interagieren. Bei diesen Werkzeugen lassen sich zwei große Bereiche erkennen: Die Verwaltungstools und die Lerntools.

Bei den Verwaltungstools handelt es sich um Möglichkeiten von Second Life aus, auf die administrativen Funktionen von Moodle zurückzugreifen und organisatorische Prozesse direkt aus Second Life zu gestalten, ohne dass die Teilnehmer ihr immersives Erleben der virtuellen Welt aufgeben müssen.

  • RegEnrol Booth
    Bei diesem Objekt handelt es sich um eine Station, an der sich die Avatare für die moodle-Installation, bzw. für einen moodle-Kurs einschreiben können. Auch wenn Sloodle versucht möglichst viele Funktionen in Second Life abzubilden, kommen neue Teilnehmer um diesen Schritt nicht herum. An dieser Stelle ist es natürlich auch möglich festzulegen, welche Teilnehmer sich für einen Kurs einschreiben können, in welchen Zeitraum und zu welchen Bedingungen. Dies sind aber Funktionen, die von moodle bereitgestellt werden und nicht direkt etwas mit Sloodle zu tun haben. Hat sich der Teilnehmer ordnungsgemäß für einen Kurs eingetragen, wird sein Avatarname mit seinem moodle-Account verbunden. Dies funktioniert auch mit bereits vorhandenen moodle-Accounts, denen erst später ein Avatar zugeordnet wird. Die Registrierung ist Voraussetzung für alle weiteren Funktionen von Sloodle.
  • Password Reset
    Mit diesem Objekt haben Avatare die Möglichkeit ihr moodle-Passwort zurückzusetzen, bzw. die Anforderung eines neuen Passworts anzustoßen. Der eigentliche Prozess der Neuanforderung wird hierbei wieder von moodle übernommen und hat grundsätzlich nichts mit Second Life zu tun. Lediglich ist es hier möglich durch einen Avatar den Prozess anzustoßen, ohne die dazugehörige E-Mail-Adresse eingeben zu müssen.
  • LoginZone
    Bei der LoginZone handelt es sich um ein Objekt, welches hauptsächlich von der moodle-Seite aus gedacht ist. Es ist damit möglich einen Startbereich/Landezone für einen 3D-Kurs zu setzen. Im moodle erzeugt dieses Modul einen Link, der die Avatare zur LoginZone teleportiert. Damit ist es möglich von moodle aus die Teilnehmer ganz gezielt an einen Ort in Second Life zu bringen, ohne mit Landmarks, Notecards oder komplizierten Beschreibungen zu arbeiten. Durch die enthaltenen SURL landen alle Avatare am gleichen Ort und werden dabei gleichzeitig authentifiziert, um an allen weiteren Aktivitäten teilnehmen zu können. Somit ist das Tool besonders zu Beginn von Kursen sehr wertvoll, um den Teilnehmern eine möglichst gute Orientierung in Second Life zu ermöglichen.
  • Access Checker & Access Checker Door
    Bei diesen 3D-Objekten handelt es sich um Zugangsbeschränkungen. Entweder als Tür oder als flexibler Kasten eingesetzt lassen sie nur Avatare hindurch, die bereits im zugehörigen moodle-Kurs eingetragen sind. Verwendet der Trainer diese Objekte geschickt, ist es somit möglich einzelne Räume nur für registrierte Mitglieder freizugeben, indem man diese Objekte als "Türwächter" einsetzt. Diese Zugangsbeschränkungen funktionieren auf Kursebene, sodass die einzelnen Bereiche eines Gebäudes auch einzelnen Kursen zugeordnet werden können.
  • Toolbar Giver
    Dieses Objekt stellt allen Avataren die Sloodle Toolbar zur Verfügung. Hierbei wird durch einfaches Anklicken die Toolbar in das Inventar des Avatars übergeben bzw. kann direkt getragen und aktiviert werden. Die in der Toolbar enthaltenen Funktionen beschreibe ich im Folgenden.

Bei den Lerntools handelt es sich ebenfalls um 3D Objekte die eine direkte Schnittstelle zwischen dem Lernmanagementsystem moodle und Second Life darstellen. Diese Objekte können aber direkt in die didaktische Planung einer E-Learning-Sitzung aufgenommen werden und stellen dem Trainer weitere Möglichkeiten zur Verfügung die Immersion – also das Eintauchen in das Medium – durch seine Teilnehmer noch einmal zu verstärken und ein spannendes Lernerlebnis zu erzeugen.

  • Sloodle Toolbar
    Bei dieser Toolbar handelt es sich um ein HUD, ein Head-Up-Display. Dieses Objekt ist somit nicht im dreidimensionalen, virtuellen Raum von Second Life verankert und kann auch nicht von allen Avataren gesehen werden. Vielmehr wird dieses Objekt im Sichtfeld des einzelnen Avatars verankert und ist somit nur für ihn sichtbar und benutzbar. In der Toolbar sind drei Funktionen enthalten. Die Gesten, der Blog und der AviLister. Bei den Gesten werden dem Avatar nützliche Gesten über das HUD zur Verfügung gestellt. Dabei reichen die Variaten von Kopfschütteln und Nicken bis hin zum Handheben, welches für kommunikative Settings oft von Nutzen ist. Die Blogfunktion stellt eine Schnittstelle zum Blog in moodle da. Die Teilnehmer können somit aus Second Life heraus ihren Blog auf moodle befüllen, in dem sie ihre Einträge im Chat tippen. Auf der anderen Seite können sie sich die neusten Blogeinträge auch per Chat in Second Life anzeigen lassen. Der AviLister (AvatarLister) erfüllt eine recht einfach, aber oftmals nützliche Aufgabe: Er scannt die Umgebung des Avatars nach weiteren Anwesenden und gleicht die gefundenen Namen mit der Nutzerdatenbank des Kurses in moodle ab. Er gibt für jeden gefundenen Avatar den in moodle hinterlegten Nutzernamen aus. Somit ist es oftmals möglich, den Avatar mit seinem Besitzer in Verbindung zu bringen, da in der Regel die moodle Nutzernamen den Realnamen der Teilnehmer entsprechen.
  • Choice vertikal & Choice horizontal
    Dieses Objekt stellt die Schnittstelle für das Umfrage-Modul von moodle dar. In Second Life werden die Ergebnisse der Umfrage als Balkendiagramme dargestellt und können auch hier benutzt werden. Somit können die Teilnehmer entweder in moodle abstimmen oder in Second Life. Die aktuellen Ergebnisse werden zeitgleich in beiden Systemen abgebildet. Hierbei gibt es in Second Life noch die Auswahl zwischen einem vertikalen oder horizontalen Balkendiagramm.
  • WebIntercom
    Das WebIntercom ist eine Kommunikationsschnittstelle, die aus meiner Sicht nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Sie verbindet den Chat eines moodle-Kurses mit dem Inworldchat von Second Life. Somit werden alle Chateingaben von SecondLife nach moodle übertragen und auch entsprechend in die Gegenrichtung. Da mittlerweile die Kommunikation über Voice eine weitaus stärkere Bedeutung erlangt hat, tritt diese Funktion eher in den Hintergrund.
  • PrimDrop
    Dieses Objekt ist eine Erweiterung des Aufgaben-Moduls von moodle. Ist es bisher nur möglich den Teilnehmern eine Aufgabe zu stellen, bei der sie am Ende eine Datei als Ergebnis einreichen, ist es mit diesem Objekt nun auch möglich Objekte aus Second Life als Ergebnis zu akzeptieren. Die Teilnehmer können ihre Objekte in den PrimDrop geben. Dort werden sie von Sloodle erkannt und an die moodle-Installation als erfolgreich eingereichte Aufgabe eines Teilnehmers verbucht. Somit erweitert sich das Spektrum von möglichen Aufgaben enorm, da Teilnehmer nun auch Objekte in Second Life kreieren können und der PrimDrop eine einfache Möglichkeit bietet diese einzureichen, ohne dass der Trainer die ganze Zeit online sein muss.
  • Presenter
    Bei diesem Objekt handelt es sich um eine Multimedia-Präsentationswand für Second Life. Dabei wird in moodle eine Präsentation zusammengestellt, die später in Second Life gezeigt werden soll. Diese Präsentation kann klassische Folien enthalten, aber auch Videos oder Webseiten (leider noch nicht interaktiv). Sobald die Präsentation zusammengestellt ist, kann der Trainer den Presenter in Second Life erzeugen und hat dort seine Daten zur Verfügung. Einen kleinen Wermutstropfen enthält dieses Tool: Da es die Multimediaeinstellungen der jeweiligen Parzelle nutzt, um die Präsentation anzuzeigen, muss der Aufsteller des Presenters die Berechtigung haben diese Einstellungen zu verändern.
  • MetaGloss
    Dieses Objekt ist die Schnittstelle zum Glossar von moodle. Hierbei können in Second Life Begriffe aus dem Glossar abgerufen werden. Leider ist eine Bearbeitung noch nicht möglich, so dass das Glossar in moodle vorbereitet werden muss. Trotzdem ist es eine große Hilfe, da Teilnehmer mit nur einem kurzen Chatbefehl an grundlegende Informationen kommen können und diese auch jederzeit wieder verwenden können.
  • QuizChair & Quiz Pile-On
    Bei diesen beiden Objekten handelt es sich um Schnittstellen zum Test-Modul von moodle. In moodle kann der Trainer Multiple-Choice Fragen vorbereiten, die den Teilnehmern über diese beiden Tools zur Verfügung stehen. Bei der ersten Variante, dem „Chair“ handelt es sich um eine Variante an der nur ein Avatar pro Platz teilnimmt im Sinne einer Prüfung. Beim „Pile“ hingegen gibt es eine Varainte bei der die Testfragen mit der ganzen Gruppe bearbeitet werden können. An dieser Stelle muss ich aber gestehen, diese beiden Objekte bis jetzt nicht zuverlässig zum Arbeiten gebracht zu haben. Aus diesem Grund bleibt meine Beschreibung hier eher ein wenig theoretischer Natur.
  • Vending Machine
    Bei diesem Objekt handelt es sich um eine Verteilerstation für Objekte und Materialien in Second Life. Alle Objekte, die vom Trainer in dieses Sloodle-Modul gelegt werden, können von den Teilnehmern dort abgeholt werden. Dazu müssen sie lediglich die Vending Machine berühren und aus dem folgenden Menü auswählen, welches Objekt sie erhalten wollen. Dieses wird dann dem Avatar übergeben. Darüber hinaus kann der Trainer aus moodle heraus Objekte an die Kursteilnehmer verteilen, egal ob sie online sind oder nicht. Dazu muss es die gewünschten Objetkte ebenfalls in der Vending Machine hinterlegen, kann dann aber von moodle aus eine Empfängerliste auswählen. Die Objekte werden dann sofort oder beim nächsten Login an die entsprechende Avatare verteilt. So ist es möglich mit wenig Aufwand in der Vorbereitung einer Veranstaltung – oder auch während dieser – Material an die Kursteilnehmer auszugeben, unabhängig von deren Aufenthaltsort in Second Life oder ihrem Online-Status

Ich hoffe ich konnte euch mit dieser Beschreibung einen ersten Eindruck von den Einsatzmöglichkeiten von Sloodle vermitteln. Zurzeit befindet sich die Software noch in der BETA-Phase. Somit kann es passieren, dass einige Informationen in diesem Beitrag nur von begrenzter Halbwertszeit sind, da an den Modulen stetig gearbeitet wird. Aber schon jetzt ist abzusehen, dass Sloodle eine spannende Bereicherung und eine wichtige Brücke zwischen 2D und 3D darstellt.

Perspektivisch werden wir sloodle auch im kommenden Semester für Studierende an der Universität Bielefeld einsetzen, um noch weitere Erkenntnisse und Erfahrungen zu gewinnen. Um selber einmal zu erfahren wie die Synergie von Second Life und moodle wirkt möchte ich auf die nächste Veranstaltung des Projektes „E-Learning 3D“ verweisen, in dem ich Mitarbeiter bin. Im Rahmen des nächsten virtuellen Weiterbildungsforums werden wir eine Veranstaltung anbieten, in der alle Gäste die Möglichkeit haben Sloodle zu erleben. Leider kann ich noch keinen konkreten Termin bekanntgeben. Wer aber auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sich einfach in den Newsletter eintragen, über den die Einladungen rechtzeitig verschickt werden.

Bis dahin wünsche ich viel Erfolg und Spaß beim Ausprobieren von Sloodle!

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