Frisch gepRSSt!
Geschrieben von André Mersch am 29. September 2009
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Wann immer ich die Gelegenheit dazu bekomme, in Lehrveranstaltungen, Vorträgen oder der Beratung Studierender und Lehrender, werde ich nicht müde ein- bis mehrmals zu erwähnen, dass ich RSS (auch hier schön beschrieben) für eine, wenn nicht die Schlüsseltechnologie des Web halte. Warum? Weil sie meine Gewohnheiten, Informationen aufzunehmen grundsätzlich verändert hat. Weil sie es, gegenüber der konventionellen Suche nach bedeutsamen Inhalten ermöglicht, ein Vielfaches zu verarbeiten. Weil sie es erlaubt zahlreiche Quellen beliebiger Themenbereiche zu kombinieren und – weil sie kaum jemand benutzt. Das sollte sich vor allem unter Wissensarbeitern ändern.
Das Video beschreibt gewohnt eingängig, um was es bei RSS eigentlich geht.
Obwohl RSS bereits seit Langem die Nische der Blogosphäre verlassen hat und von den meisten Informationsverbreitern, von der Bildzeitung bis Arte, angeboten wird, ist die Technologie weit davon entfernt zum Mainstream zu werden. Dabei könnte der Umgang mit RSS einfacher nicht sein. Es lässt sich auf verschiedenen Erfahrungsstufen anwenden, so dass auch weniger netzaffine Nutzer einen Zugang zu der Technik finden können. Durch die Möglichkeit RSS-Feeds als dynamische Lesezeichen oder per E-Mail zu abonnieren, ist es auch für diese Nutzergruppe anschlussfähig. Die Anmeldung bei einem browserbasierten Dienst, oder die Installation einer Software ist nicht zwingend notwendig.
Die Verarbeitung von Feeds lässt sich beliebig verfeinern. Denen, die bspw. den Google-Reader, Newsgator oder Bloglines nicht nur kennen sondern auch nutzen, steht eine riesige Palette von Möglichkeiten zur Verfügung, um Informationen zu sammeln, zu aggregieren und dabei den Fokus so zu verfeinern, dass genau die Daten ausgegeben werden, die gesucht wurden. Und das Tollste daran ist, dass der Prozess des Suchens automatisiert wird. Sind die Parameter einer Suche einmal definiert, kommen die gewünschten Informationen automatisch zum Feed-Abonnenten.
Die RSS-Quellen sind unendlich und ihre Verknüpfung in beliebig vielen Ebenen möglich. Neben der selbstständigen Suche nach einzelnen Angeboten, gibt es zahlreiche Dienste, die schon einmal voraggregieren, bei deutschen Blogs bspw. Rivva, sowie Google News und nachrichten.de für Nachrichten aus „klassischen“ journalistischen Quellen. Auch diese Ströme lassen sich wiederum aggregieren. Z.B. durch den Dienst Yahoo Pipes sind aberwitzige Konstruktionen möglich. Der Artikel von Dennis Schäffer zum Thema Personal Information Patterns vermittelt einen ersten Eindruck über die Macht dieses Tools.
Zu der kanalisierten Flut von Informationen aus Blogs und Online-Zeitungen gesellt sich ein weiterer riesiger Strom: Das Echtzeit-Web. Dienste wie Friendfeed, die Echtzeitinformationen aus verschiedenen Anwendungen zusammenführen und nicht zuletzt Microblogs wie Twitter lassen sich per RSS einfangen und weiterverarbeiten. Für Twitter hat Herr Westphal von Rivva gerade eine neue interessante Möglichkeit entwickelt. Auch mit Readtwit lassen sich die Links – aus meiner Sicht das, worum es bei Twitter eigentlich geht – in einen RSS-Feed umwandeln, der dann wiederum aggregiert werden kann.
Die geringe Akzeptanz der Technologie verwundert umso mehr, als das RSS-Prinzip seit Jahrzehnten von vielen Printmedienkonsumenten verwendet wird. Sie entscheiden sich aus dem Angebot von Magazinen und Tageszeitungen für die aus ihrer Sicht besonders relevanten und abbonieren sie, um sich den täglichen Gang zum Kiosk zu ersparen. RSS verlagert die Abonnements lediglich ins Virtuelle . Dabei kann es sogar um die gleichen Inhalte gehen. Aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist Google Fast Flip.
Eine Gefahr von RSS liegt in der Einschränkung der Perspektive. Nachdem der Aufwand zur Spezifikation der Informationskanäle einmal getätigt wurde, ergibt sich häufig eine Erweiterung der Informationskanäle im Sinne von “Mehr Desselben”. In den abbonierten Medien wird auf weitere verwandte verlinkt, die wiederum in die RSS-Infrastruktur aufgenommen werden. Dadurch kommt es schleichend zu einer Verengung des Fokus, die im positiven Sinne als Spezialisierung, im negativen als Ignoranz der Informationsvielfalt verstanden werden kann.
Hier noch ein paar nützliche RSS-Tools:
- RSS-Beater verwandelt jede URL in einen RSS-Feed.
- Feedly , Feedjournal und Elch24 erzeugen eine zeitungsartige Seite aus allen eingespeisten Feeds. Feedly versteht sich auch prima mit Twitter.
- Liste mit Feed-Readern
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2 Kommentare zu “Frisch gepRSSt!”
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am 30. September 2009 um 16:32 1.Sascha Kaiser schrieb …
Zu RSS: IBM bietet eine kombinierte Lernplattform an, die das Setzen von RRS-Feeds auf auf alle Inhalte (Mitteilungen, Dokumentbibliotheken, Wikieinträge) eines virtuellen Lernraumes ermöglich, und so den User dieser Lernräume ständig über neue Einträge informiert. Ich gespannt, wie das seitens der User angenommen wird. Die Idee ist jedenfalls die Richtige. Zudem lassen sich RSS-Feeds ja auch auf Handy weiterleiten. D.h. auch wenn ein virtueller Lernraum eine neue Mitteilung enthält wird diese mittels RSS auf Handy übertragen.
am 17. Oktober 2009 um 22:51 2.Tina_Bohne schrieb …
Danke für den interessanten Beitrag. Ich befasse mich mit modernen Lernmedien, solchen, die Hören, Sehen und Fühlen ansprechen. RSS-Feed ist eine weitere Möglickeit, die Frage-Funktion noch zu integrieren. Im Moment sind wir an Medien, die man hören (MP3-Files) und am PC bearbeiten (WORD-DOK) kann. Das geht parallel und unabhängig voneinander. User bemängelten die fehlende Fragemöglichkeit, die man ja bei einem Podcast hätte. Mit dem RSS Feed ließe sich eine solche Lücke schließen.