Flashcards: mit virtuellen Karteikärtchen Wissen organisieren

Geschrieben von am 3. Juli 2010

In der Schule bekritzelten wir noch munter kleine Karteikärtchen mit Englischvokabeln oder kauften gleich das fertige Komplettpaket vom Buchhändler, um uns das Schreiben zu ersparen. Irgendwann in den 90ern gab es Programme wie Supermemo (das munter weiterentwickelt wurde, die jüngste Version stammt von 2008), die uns erlaubten, die Kärtchen virtuell auf dem Computer abzufassen. Auch Mnemosyne hilft Nutzern – in einer sehr gefälligen Optik – dabei, eigene Lernkarten auf ihrem Bildschirm anzulegen. Im Englischen lernen sich sowohl die virtuellen als auch die klassischen Lernakarteien Flashcards – und das ist auch der Name, unter dem diese Informationsträger in ihrer elektronischen Form im Internet hauptsächlich bezeichnet werden. Während bei Supermemo und Mnemosyne die Flashcards gewöhnlich auf dem Rechner der Person bleibt, die sie angelegt hat, setzen viele andere Anbieter darauf, dass das Wissen nicht zu Hause gesammelt wird und versteckt bleibt, sondern für andere zugänglich wird.

Einer der bekanntesten Anbieter unter ihnen ist Cobocards. Jeder Nutzer kann seine Kartensätze über den Browser anlegen und dann für sich behalten oder publizieren (siehe Beispiel im Screenshot). Die kostenlose Version CoboCards-Free erlaubt drei Kartensätze und das Exportieren der Karten und stellt die Publikation frei (zeitweise war hier eine Publikation obligatorisch). Drei Euro im Monate kostet die Nutzung der Profi-Version. Hier ist die Zahl der Kartensätze unbegrenzt, Kartensätze können mit Hilfe von Ordnern organisiert werden und Kartensätze können archiviert werden. Nähere Infos gibt es hier.

Eine Alternative zu Cobocards ist Anki, das nicht nur unter Windows, Linux und Mac OS funktioniert, sondern auch für Freunde des Mobile-Learnings interessant ist. Anki gibt es u.a. fürs iPhone, für die Playstation Portable, Nintendo DS oder auch Smartphones mit Android.

Charmant, wenn auch mitunter etwas hölzern wirkt die Optik des Anbieters Ediscio. Die Nutzung ist komplett kostenlos. Ediscio stellt eine Versionshistorie, das Vergeben von Stichworten und Kategorien sowie eine Kommentarfunktion für alle Lernkärtchen zu Verfügung. Ein Tutorial für Ediscio gibt es hier.

Einen vielversprechenden Eindruck macht auch OpenCards – eine Erweiterung für das kostenlose OpenOffice Impress. Die Idee hier: Nutzer laden fertige Flashcards hoch, so dass andere sie verwenden können (z.B. die Flashcard zu den neuen Bundesländern).

Thomas Mauch weist in seinem Beitrag zu Flashcards darauf hin, dass auch die „Papier- und Bleistift-Fraktion“ im Internet hilfreiche Hinweise für die Erstellung klassischer Karteikärtchen finde – z.B. die japanische Schlüsselring-Lernkartei.

Weitere Links:

  • Vokabeltrainer Memomo
  • Millionen englische Lernkarteien bei Flashcardmachine
  • Memorize – ebenfalls mit englischen Flashcards
  • noch mehr englische Lernkarteien bei ProProfs
  • weitere englische Lernkarteien bei Quizlet
  • englischsprachiger Anbieter, dessen Nutzer sich Flashcards teilweise gegenseitig verkaufen: Funnelbrain
  • Lernkartei aus Pappe selber bauen

Nachtrag:

Erwachsenenbildnerin Kornelia Maier-Haefele von Learnabit weist in einem ihrer Artikel außer auf CoboCards und Ediscio auf weitere deutschsprachige Anbieter für Flashcards hin – ichlerneonline.de | lernkartei.de | mindpicnic.de | karteilernen.de.

http://www.learnabit.com/2008/11/cobocards-und-co.htmlLear

8 Kommentare zu “Flashcards: mit virtuellen Karteikärtchen Wissen organisieren”

  1. am 5. Juli 2010 um 16:33 1.Schoemi schrieb …

    Hallo Jörg,

    Danke für die tolle Übersicht zum Thema Lernkarten.
    War auch für mich noch eine Menge neues dabei.

    Hast Du zufällig ein paar Quellen, die sich mit dem Wirkungsgrad von elektronischen Lernkarten beschäftigen. Auch im Vergleich zu anderen elektronischen Lernmethoden, zum Beispiel WBTs, Webinars, etc. ?

    Grüße vom Niederrhein

    Dirk

  2. am 7. Juli 2010 um 12:40 2.Brigitte Kreplin schrieb …

    Gefällt mir!

    Bei uns in der Fernuni nutzt das LG Algebra schon seit längerer Zeit ein selbst gebautes System für Online-Lernkarten. Leider sind Inhalt und Layout noch völlig verquickt, so dass wir es nur mit großem Aufwand mit neuen Inhalten füllen können.

    Weiß jemand, wie die genannten Systeme mit mathematischen Formeln umgehen? Ist es möglich, diese einzugeben/zu editieren?

  3. am 7. Juli 2010 um 21:36 3.Jörg Heeren schrieb …

    @Schoemi: Die Artikel zu Flashcards, die mir bekannt sind, beziehen sich zum einem meist auf das Lernen von Sprachen und zum anderen geht es um die althergebrachten Flashcards, sprich: Lern-Karteikärtchen aus Papier (hier geht es z.B. um kindliche Schüler, die mit Karteikärtchen lesen lernen). Durchaus informativ fand ich den Artikel „Clickers or Flashcards: Is There Really a Difference?“ von N. Lasry. Er vergleicht das Lernen mit klassischen Karteikärtchen mit dem Lernen mit Klickern, mit denen Studenten in speziell ausgerüsteten Hörsälen per Knopfdruck auf Multiple-Choice-Fragen antworten können, Noch aus den 90ern ist ein Artikel von Jeff Maggard, der sich mit der Sprachlernsoftware VTrain 3.0 beschäftigt und auf das Problem hinweist, dass Nutzer sich erst mit der Bedienung vertraut machen müssen, bis ihnen das Programm das Lernen von Vokabeln erleichtert. Noch recht jung ist ein Artikel zu MemoryLifter, ein Programm auf Basis des Lernkarteisystems nach Sebastian Leitner. Zum Wirkungsgrad sagt der Text nichts. Ohnehin scheinen webbasierte virtuelle Flashcards und ihre Wirkung kaum bis gar nicht erforscht zu sein, obwohl gerade hier ja der kollaborative Austausch von Informationen eine Rolle spielt.

  4. am 7. Juli 2010 um 22:00 4.Jörg Heeren schrieb …

    @Brigitte Kreplin: Bei CoboCards scheint man sich frühzeitig um die Anforderung, mathematische Formen darzustellen, gekümmert zu haben. Bei CoboCards taucht zwischen den Formatierungsbuttons die Funktion TeX auf, ein Markup für mathematische Formeln (Info hier). Vor einiger Zeit hat man offenbar bei CoboCards noch auf LaTeX gesetzt, wie dieser Foren-Eintrag von 2009 zeigt. Auch bei Ediscio ist die Eingabe mathematischer Formeln möglich, hier setzt man weiterhin auf LaTeX.

  5. am 8. Juli 2010 um 07:00 5.Brigitte Kreplin schrieb …

    @Jörg Heeren: Danke für die wertvollen Hinweise zu Cobocards und Ediscio. Dem werde ich weiter nachgehen.

    Ich kann mir vorstellen, dass Lernkarten auf den mobilen Endgeräten erst richtig zum Einsatz kommen.

    Für das Lernen am stationären PC erschien mir diese Lernform nicht ganz so attraktiv zu sein.

  6. am 13. Juli 2010 um 14:46 6.Ali schrieb …

    Hallo Jörg,

    danke für den Hinweis auf CoboCards. Ja, wir setzen weiterhin auf LaTeX, so dass Mathe-, Chemieformeln etc. alle möglich sind.

    Ergänzen würde ich noch gern, dass wir auch eine iPhone und Android App haben, mit der alle online erstellten Karten (inkl. Formeln, Bilder etc.) auch mobil gelernt werden können.

    Gruß

    Ali (von CoboCards)

  7. am 31. März 2011 um 20:03 7.Peter schrieb …

    Hi Jörg,

    es gibt noch weitere Seiten, die sich mit Karteikarten-Lernen beschäftigen, z.B. http://www.kumungo.com und http://www.flashcardexchange.com (momentan offline).

    Peter

  8. am 21. April 2011 um 10:09 8.Beyin schrieb …

    @Peter Danke für die Empfehlung einer anscheinend toten Seite wie Kumungo (s. Liste der Stoffgebiete) und einer Seite, die offline ist. Ich glaub, solche Empfehlungen braucht man, wenn man sich grad für die Prüfung vorbereitet.

    Dann lieber Cobocards!

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