wissenswert_200812b„Verlieren Learning Management Systeme im Web 2.0 an Bedeutung?“ fragt André Stöhr als Gastgeber des mittlerweile 15. Wissenswert Blog Carnivals.

Nein!

Gut, soviel dazu, ich wünsche einen goldenen Oktober!

Warum nicht? Die Erfahrungen an Hochschulen (just erst auf DeLFI und ILIAS-Konferenz ausgetauscht – aber dazu hoffentlich bald einmal mehr), als auch Studien wie die von Schulmeister (ich weiß, die wird schon häufig genug genannt, aber es passt halt) legen nahe, dass wir es bei Studierenden an Hochschulen (noch) nicht mit Angehörigen einer Net Generation in dem Sinne zu tun haben, dass Sie sich im Web wie Fische im Wasser bewegen und ihren Lehrenden in Nutzung und Übersicht der aktuellen Möglichkeiten digitaler Instrumente weit voraus sind.

Ich nehme vielmehr wahr, dass viele Studierende zwar mit der Nutzung z.B. von Instant Messaging, Videoportalen und sozialen Netzwerken vertraut sind, der Einsatz aber überwiegend in Freizeitzusammenhängen stattfindet. Mehr noch, dass er auch nur auf diese Einsatzszenarien beschränkt sein soll und die Adaption dieser Freizeit-Instrumente in (formale) Lehr-Lernprozesse als Übergriff im Sinne einer Kolonialisierung der Lebenswelt durch Lernen verstanden wird.

Gleichzeitig fällt auf, dass trotz der Teils intensiven Nutzung der genannten Anwendungen ein Transfer der dazu aufgebauten Kompetenzen in formale Zusammenhänge oft nicht gelingt. So ist das Hochladen eines Bildes bei Facebook eine Selbstverständlichkeit, die Aufgabe aber, in einem LMS zu erkennen, wo die Ausarbeitung zur letzten Präsenzsitzung hochgeladen werden soll, nehmen einige als schwierige Hürde wahr.

Warum ist das zur Bedeutungsbestimmung von LMS wichtig? Durch den konsequenten Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre kann auf Seiten der Studierenden ein Bewusstsein dazu entstehen, dass ihre Nutzung in Lernprozessen eine Notwendigkeit ist, die zur Entwicklung einer Medienkompetenz beiträgt, die nicht nur darin besteht, einen Overheadprojektor richtig herum aufzubauen, sondern Fähigkeiten und Fertigkeiten umfasst, die als Grundlage zukünftiger gesellschaftlicher Teilhabe notwendig sind.

Deshalb braucht es aus meiner Sicht institutionalisierte Systeme, die mindestens zur Strukturierung und Distribution von Inhalten, sowie als Hilfsmittel der Studienorganisation und Kommunikation dienen. Durch diese ganz pragmatischen Hilfsmittel kann ein Bewusstsein für den großen Nutzen digitaler Instrumente geschaffen werden, der im Idealfall in technologiegestütztem Lernen mündet. Eine über Content Distribution hinausgehende, vielleicht sogar didaktisch durchdachte [sic!] Einbindung  von LMS in Lehrprozesse, kann dabei auch nicht schaden. Das LMS kann so zum geschützten Testgebiet für technologiegestütztes Lernen werden.

Und dann wird es spannend: Sind die Vorteile einer zentralisierten Struktur erkannt, haben einheitliches Design und Benutzerführung ausreichend als Trainingsfeld gedient, muss ein LMS sich öffnen und von einer Plattform zu einem Portal werden, das die Einbeziehung von Web 2.0 Tools möglich macht. Der Kreis kann sich dort schließen, wo Bildungsinstitutionen über LMS auf E-Tools hinweisen, die auch das Soziale im Web über das Lernen hinaus bereichern.

Kurzum: Im Idealfall kann der Einsatz von LMS in Bildungseinrichtungen für Web affine Nutzer die Bedeutung von Web 2.0 Tools für das Lernen deutlich machen, indem es eine Brücke zwischen Lernen und Freizeitnutzung des Social Web schlägt. Für diejenigen, die am Beginn eines Studiums noch Denken, ein Blog sei aus Papier, können hier wertvolle Impulse zum Web gestützten Lernen gegeben werden.

LMS und PLE sind deshalb kein Gegensatz sondern gehören zusammen, wie Henne und Ei.